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Amtsgericht Hamburg, Urteil vom 28.8.2007, Az. 48 C 181/07

Stadtviertel, die noch vor einigen Jahren nach herrschender Ansicht als "gefährlich", "herunter gekommen" und "unattraktiv" galten, erfreuen sich mittlerweile größter Beliebtheit und werden als "bunte, kreative Szeneviertel" mit "urbaner Atmosphäre" gepriesen. Anwohner/innen werden durch diese Entwicklung mitunter doppelt belastet: Die Wohnqualität sinkt, weil in unmittelbarer Nachbarschaft eine Vielzahl neuer Bars, Imbisse und Restaurants  eröffnet werden, die zwangsläufig bis spät in die Nacht mit erheblichem Lärm  verbunden sind. Gleichzeitig werden deutlich höhere Mieten verlangt, weil die Wohnung in einem "beliebten Szeneviertel" liege.

Ein typisches Beispiel für diese Entwicklung in Hamburg ist der Platz im Schulterblatt, der vor wenigen Jahren umgestaltet und zu einer beliebten Gastronomie-Meile wurde.

So hatten auch die Vermieter in dem vorliegenden Verfahren, in dem der Mieter von Rechtsanwalt Dr. Ritter vertreten wurde, eine überdurchschnittliche Miete verlangt mit dem Hinweis auf die "Urbanität" der Lage und der "starken Nachfrage". Das Amtsgericht Hamburg stellte klar, dass für die Ermittlung der ortsüblichen Vergleichsmiete allein die tatsächliche Wohnqualität ausschlaggebend ist. Es kommt deshalb zu dem Ergebnis, dass aufgrund der mit der Gastronomie verbundenen Lärmbelastungen die Lage der Wohnung im Schulterblatt als unterdurchschnittlich zu bewerten ist.

Über die Entscheidung wurde in der tageszeitung (taz) am 6.9.07 berichtet.

Zur Entscheidung (PDF-Datei 456 KB; Markierungen im Text von RA Dr. Ritter)