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Kapitalstrafrecht

Die Bezeichnung leitet sich aus dem lateinischen Wort capus ab (capitalis = den Kopf, das Leben betreffend). Kapitalstrafsachen haben also mit dem Tod zu tun. Für sie ist bei Verdacht der vorsätzlichen Begehungsweise das Schwurgericht zuständig (§ 74 Abs. 2 GVG) und damit die bedeutendste Strafkammer eines jeden Landgerichts (vgl. § 74e GVG). Die Verteidigung trifft dort in der Regel auf besonders erfahrene bzw. qualifizierte Richter und Richterinnen. Dementsprechend sind auch die Staatsanwaltschaften organisiert, wo in aller Regel die Abteilung 1 zuständig ist mit besonders qualifizierten bzw. erfahrenen Staatsanwälten und Staatsanwältinnen.

Auch bei Medien und Öffentlichkeit, Angehörigen und Betroffenen, Interessengruppen und Opferschutzinstitutionen erzielen Kapitalstrafsachen höchste Aufmerksamkeit. Auf wohl keinem anderen Gebiet des Strafrechts werden Beschuldigte und Tatopfer, Strafverfolgung und Strafverteidigung, Verurteilung und Freispruch gleichermaßen kritisch und emotional wahrgenommen.

Jeder Verteidiger und jede Verteidigerin in Kapitalstrafsachen kennt die im besten Fall psychologisch, manchmal ethisch und oftmals mit Abscheu formulierten Fragen nach den Gründen, weshalb man derartige Verteidigungsmandate übernehme.

Dies alles sind Schlaglichter auf die besonderen Anforderungen an die Strafverteidigung in Kapitalstrafsachen. Wer ein solches Mandat übernimmt, wird in der Regel aus dem Berufsalltag herausgerissen. Das Schicksal des Mandanten, die Folgen für dessen Familie und Umfeld, das Schicksal eines Tatopfers, die Trauer, das öffentliche Interesse und nicht zuletzt die anspruchsvollen rechtlichen und tatsächlichen Aufgaben lassen den verantwortungsvollen Strafverteidiger die Mandatsübernahme sorgsam erwägen.

Schwurgerichtsprozesse fordern der Verteidigung hohe Kompetenz ab. In aller Regel befinden sich die Beschuldigten in Untersuchungshaft. Es geht um hohe Strafen, bei Mord und einigen anderen Kapitalverbrechen gar um Lebenslänglich. Häufig kommt es zu einer psychiatrischen/psychologischen Begutachtung. Unter Umständen droht Sicherungsverwahrung oder eine Unterbringung im psychiatrischen Krankenhaus.

Die Beweisaufnahme ist besonders anspruchsvoll. Für die Tatrekonstruktion und zur Aufklärung der Todesursache werden rechtsmedizinische Sachverständigengutachten eingeholt. Der kriminalistische und kriminaltechnische Aufwand ist erheblich. Der Sachverhalt wird durch speziell geschulte Kommissariate und bei den Landeskriminalämtern oder beim Bundeskriminalamt angesiedelte Forschungseinrichtungen aufgeklärt und dabei nicht selten unzulässig zugespitzt.

Die Interessen von Tatopfern werden regelmäßig durch Nebenklage und Zeugenbeistand, zunehmend auch mit Adhäsionsanträgen zur Durchsetzung von Schadensersatz und Schmerzensgeld, vertreten. Die Verteidigung sieht sich also nicht nur der Staatsanwaltschaft gegenüber sondern oftmals auch Anwälten und Anwältinnen, die die von ihnen vertretenen Opferinteressen bei der Strafverfolgung ansiedeln. Deshalb sind für Kapitalstrafsachen neben den allgemeinen Kompetenzen einer engagierten Strafverteidigung vor allem berufliche und psychologische Erfahrung, Durchsetzungskraft nach Innen und Außen sowie vertiefte Kenntnisse in den sogenannten Hilfs- oder Nebenwissenschaften erforderlich.

Sobald wir Mandate aus diesem Bereich übernehmen, haben wir all diese Dinge sorgsam abgewogen und sind uns sicher, dass wir der gestellten Aufgabe gerecht werden können. Diese Sicherheit haben wir bei der Verteidigung in zahlreichen, auch aufsehenerregenden und umfangreichen Kapitalstrafsachen erworben.